In Deutschland hängen Bildungschancen vom Elternhaus ab. Ein Schulversuch in NRW soll daran etwas ändern. Jetzt steht fest, welche Schulen ausgewählt wurden.

Nordrhein-Westfalens Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat 25 weitere Talentschulen benannt und damit eine abschließende Auswahl getroffen. „Wir wollen Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer Herkunft mehr individuelle Chancen geben“, sagte Gebauer am Donnerstag im Landtag. Wie schon in der ersten Runde befindet sich das Gros der Schulen, die jetzt an dem Schulversuch teilnehmen dürfen, im Ruhrgebiet.

In kaum einem anderen Industrieland hängen die schulischen Erfolgschancen so stark vom familiären Bildungshintergrund ab wie in Deutschland, wie auch die jüngste Pisa-Studie belegte. Mit den insgesamt 60 Talentschulen will die Landesregierung prüfen, ob eine verbesserte Ausstattung mit Personal und finanziellen Mitteln sowie ein klares pädagogisches Konzept daran etwas ändern können. Der Schulversuch soll daher von Anfang an wissenschaftlich begleitet werden. Je nach Ergebnis könnten der Schulministerin zufolge in NRW flächendeckend Talentschulen entstehen.

Die aus Pädagogen und Wissenschaftlern bestehende Jury wählte unter 98 Bewerbungen 16 weiterführende Schulen und neun Berufskollegs aus. Im Regierungsbezirk Düsseldorf sind darunter in Duisburg das Sophie-Scholl-Berufkolleg, die Gesamtschule Globus am Dellplatz und die Herbert Grillo-Gesamtschule. In Essen wurde die Gertrud-Bäumer-Realschule ausgewählt, in Wuppertal die Berufskollegs Werther Brücke und in Oberhausen das Hans-Sachs-Berufskolleg sowie die Fasia-Jansen-Gesamtschule. Mit der Aufnahme in das Programm erhalten diese Schulen 2500 Euro im Jahr zusätzlich für Fortbildungen und zusätzliche Stellen für Lehrer und etwa Sozialarbeiter. Gebauer räumte ein, dass die Besetzung dieser Stellen bisher nur im Regierungsbezirk Köln zu 100 Prozent gelungen sei.

Die SPD-Opposition im Landtag kritisierte die geringe Anzahl der ausgewählten Schulen. Statt 60 seien in NRW rund 1000 Schulen bedürftig, weil sie sich in sozial benachteiligten Vierteln befänden, sagte SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty. Zudem seien die Auswahlkriterien unscharf.

Der Vorsitzende der Jury, Ewald Terhart, Professor an der Universität Münster, bedauerte, dass es Anträge sehr bedürftiger Schulen gegeben habe, die „eine gewisse Hilflosigkeit“ gezeigt hätten, aber nicht zum Zuge gekommen seien. Gebauer versicherte, diese im Blick zu behalten.