Anlässlich der Wiedereinbringung des Scherbenmosaiks zur Erinnerung an die ehemals in Duisburg lebenden jüdischen Familien am Osteingang des Duisburger Hauptbahnhofs, hatte die Stadt Duisburg zum Pressetermin am 2. Juli eingeladen
Trotz Rekordtemperaturen ließen sich – ebenso wenig wie Oberbürgermeister Sören Link – Vertreter*innen des Sophie-Scholl-Berufskollegs diese Veranstaltung entgehen. Schließlich waren es Schüler*innen des Bildungsgangs Kosmetik/FHR des Sophie-Scholl-Berufskollegs, die gemeinsam mit Jugendlichen der jüdischen Gemeinde Duisburg und mit dem Künstler Gunter Demnig das Scherbenmosaik gestaltet hatten.
Dargestellt ist ein Stadtplan Duisburgs, der die Wohnorte von gut tausend jüdischen Bürgerinnen und Bürgern, die aufgrund ihres Glaubens von den Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1945 deportiert und ermordet wurden.
Drei Tage lang hatten die Jugendlichen im Rahmen dieses Kooperationsprojekts unter Anleitung des Künstlers Gunter Demnig, der Lehrkräfte Brigitte Wilken und Hans-Werner Kittmann sowie der Projektleiterin der jüdischen Gemeinde Frau Dr. Tanja Smolianitski auf dem Schulhof des Sophie-Scholl-Berufskolleg praktisch an der Erstellung des Kunstwerks gearbeitet: Nachdem sie zuvor in Archiven recherchiert, Namenslisten und Straßenverzeichnisse zusammengetragen und gemeinsam das Jüdische Museum Dorsten besucht hatten.
Das 3,20 x 2 Meter große und 1,2 Tonnen schwere Kunstwerk ist ebenso wie die von Demnig geschaffenen Stolpersteine als dezentraler Gedenkort in den Boden eingelassen. Gut zwei Jahrzehnte am Eingangstor der Stadt haben auf dem begehbaren Kunstwerk Spuren hinterlassen, die „Die Schmiede“ in aufwändiger Wiederaufbereitung beseitigt haben.
Somit konnte das Kunstwerk, das schon längst zum Stadtbild gehört, wie Oberbürgermeister Sören Link in seiner Ansprache hervorhob, wieder seinen angestammten Platz in der Duisburger Innenstadt finden. Der Oberbürgermeister betonte, wie selbstverständlich das Mosaik und die Stolpersteine Teil des Stadtbilds seien, obwohl der erste der mittlerweile rund 320 Stolpersteinen erst 2003 verlegt wurde.
Dieses Gefühl, dass sie schon immer da gewesen sind, teilt auch Georgina Adams, Schülerin der Erzieher*innen-Unterstufe, die im anschließenden Gespräch mit Frau Dr. Smolianitski Erinnerungen rund um das Mosaik teilte. Georgina ist, wie die ebenfalls anwesende Carina Garske, Teil der AG Erinnerungskultur. Seit Anfang des Schuljahres -knüpft diese -auf Initiative des Lehrers Marc Bendig- an eine weitere Tradition des Sophie-Scholl-Berufskollegs an: nämlich Geschichte durch Begegnungen in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau erfahrbar zu machen.
Im Zuge des Schuljahres haben sich Schülerinnen und Schüler aus diversen Bildungsgängen des Sophie-Scholl-Berufskollegs mit den Gräueltaten des Nazi-Regimes vertraut gemacht, die sich nicht nur gegen Jüdinnen und Juden richteten, sondern auch gegen andere Gruppen, die ein „abweichendes Verhalten vom gesunden Volksempfinden“ zeigten wie Kommunisten, Sinti und Roma, Homosexuelle und Zeugen Jehovas. Ausgangspunkt waren hierbei auch die in Marxloh verlegten Stolpersteine, die nicht nur an die Wohnorte von jüdischen Mitmenschen, sondern auch politisch Verfolgte erinnern und Anlass geben, sich im Alltag mit diesem dunklen Kapitel deutscher Geschichte auseinanderzusetzen.

Daniel Kober
Kom. Bereichskoordinator für Beratung, Öffentlichkeitsarbeit und Schulkultur
Frau Russius
Ansprechpartnerin für politische Kulturarbeit



