Aktuell überschneiden sich Ramadan und die christliche Fastenzeit. Für viele Muslim/innen und Christ/innen ist dies eine besondere Zeit des Innehaltens und bewussten Verzichts. Die Parallelität zeigt, wie vielfältig unsere Gesellschaft ist und auch, dass das Klassenzimmer ein Raum für Perspektivwechsel, Sensibilisierung und Empathie sein kann.

Sprache prägt den Alltag. Worte können verbinden, aber auch unbeabsichtigt ausgrenzen. Wir alle kennen Momente, in denen uns ein Satz im Nachhinein leidtat. Nicht aus böser Absicht, sondern weil wir in vertrauten Denkmustern gedacht haben, die wir selten bewusst hinterfragen. Oft greifen wir auf verinnerlichte Bilder zurück, ohne zu prüfen, ob sie der Situation wirklich gerecht werden. Gerade im (pädagogischen) Alltag ist es wichtig, diese Mechanismen zu erkennen und sensibel zu reflektieren.

Solche Erfahrungen greifen wir im Bildungsgang E/AHR im Deutschunterricht gezielt auf. Als angehende Erzieher/innen setzen sich die Schüler/innen der Unterstufe (E 251) mit ihrer professionellen Haltung auseinander. Sie analysieren eine Kurzgeschichte, in der Missverständnisse rund um das Fasten entstehen. Frau Meier betritt gut gelaunt das Klassenzimmer und fragt, wer durchhält. Ihr Blick bleibt an Yusuf hängen. „Du fastest doch, oder?“ Yusuf verneint. Einige kichern, ein Moment der Irritation entsteht. Kurz darauf meldet sich Tim leise: „Ich faste.“ Überraschte Blicke, Nachfragen folgen, und man spürt, wie sich die Perspektive im Raum langsam verschiebt …

Die Szene zeigt, wie schnell Vorannahmen entstehen und wie sehr sie von gesellschaftlich geprägten Vorstellungen beeinflusst werden. Im Unterricht wurde deutlich, dass nicht Absicht, sondern fehlende Bewusstheit oft der Auslöser ist. Aus der Analyse entwickelte sich ein offenes Gespräch: Die Schüler/innen erklärten einander, wie sie die Fastenzeit erleben, welche Unterschiede es gibt und was sie persönlich damit verbinden.

Dabei wurden Perspektivwechsel geübt, Empathie gestärkt, Sensibilisierung gefördert und multikulturelle Kompetenzen aufgebaut. Auf diese Weise entstand für die gesamte Klasse ein neues Bewusstsein für Vielfalt, gegenseitiges Verständnis und respektvolles Miteinander.

Frau Yildiz
Bildungsgangleitung E/AHR
yildiz@sophie-scholl-bk.eu

Die Schüler/innen erkannten außerdem, dass pädagogische Fachkräfte, die mit Kindern und Familien arbeiten, eine große Verantwortung für Werte, Haltung und Zusammenleben tragen. Eigene Prägungen zu erkennen und sensibel zu handeln, ist deshalb eine zentrale berufliche Kompetenz.

Allen, die derzeit fasten, wünschen wir eine kraftvolle und bereichernde Zeit. Allen anderen wünschen wir ebenfalls eine gute Zeit.

Herzliche Grüße

Die E251
(Erzieher/innenklasse)