Es war ein Tag, der im Gedächtnis bleibt, an dem der Journalist und Autor des Buchs „Jahrhundertzeugen“, Tim Pröse, zunächst Schülerinnen und Schülern und am Nachmittag auch noch aktive sowie ehemalige Lehrkräfte über die letzten Stunden von Sophie Scholl berichtete.

Sehr ergreifend nahm er, der aus erster Hand Erinnerungen von Inge Aicher-Scholl erhalten hatte, das Publikum mit auf eine Zeitreise in die NS-Diktatur. Er machte deutlich, unter welchen repressiven Umständen junge Männer und Frauen leben mussten und weshalb sich so wenige trauten, gegen die Diktatur aufzubegehren. Aber eine Gruppe junger Studierender in München wollten nicht länger untätig bleiben und beschlossen durch Flugblätter an die deutsche Bevölkerung zu appellieren, sich gegen die Nazidiktatur zu stellen.

Eindrücklich zeigte Tim Pröse auf, dass es nicht lediglich darum gehe, der Toten zu gedenken, sondern darum ihre Botschaft weiterzugeben, heute nicht unter Einsatz des Lebens, aber doch mit der Bereitschaft, Zivilcourage zu leisten, wenn man sieht, dass jemand ausgegrenzt oder benachteiligt wird. Denn auch wenn die Freiheit, für die Sophie Scholl und die Mitglieder der Weißen Rose 1943 ihr Leben ließen, für uns heute selbstverständlich sein mag, gilt es, sie und das demokratische System, das sie gewährt, zu schützen.

Nicht weniger berührend war die zweite Lesung im kleinen Kreis im neuen Lehrrestaurant, an der neben Schulleitung, zahlreichen Alumni, Frau Maus von der Stadt Duisburg, auch Professor Nakagawa von der Kwansei Gakuin Universität in Japan teilnahm. Im Rahmen der Diskussion gab auch er, der an drei Tagen das Sophie Scholl Berufskolleg begleitet hat, um die deutsche Erinnerungskultur zu erforschen, Einblicke in den Umgang mit Erinnerungen an den zweiten Weltkrieg in Japan. Man sei Täter im Krieg gewesen, ebenso wie die Deutschen, aber durch den Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki auch Opfer. Sein eigener Großvater sei schwer traumatisiert vom Krieg heimgekehrt und habe nicht über das Erlebte, das ihn nachts in seinen Träumen immer wieder heimsuchte, reden können, eine Erfahrung, die viele der Alumni auch von ihren Großvätern und Vätern bestätigen konnten.

Zudem zeigte die Veranstaltung auch die lange Tradition der Schulkultur am Sophie-Scholl-Berufskolleg auf. Denn als in den 1990er Jahren zahlreiche rechtsextreme Anschläge in Deutschland verübt wurden, war es das Kollegium des damaligen städtischen Berufskollegs an der Dahlmannstraße, das unter der Leitung von Schulleiter Udo Bremer mit der Umbenennung der Schule ein Zeichen setzen wollte. Die Wahl fiel auf Sophie Scholl, die mit ihrem Mut und Einsatz gegen Unrecht ein Vorbild sein sollte für die gesamte Schulfamilie. Dieser Geist, so Tim Pröse, sei spürbar am Sophie-Berufskolleg, und ihre Botschaft gilt es wachzuhalten in unserer Schulgemeinschaft, sowohl im Kollegium als auch in der Schülerschaft.

Zu den weiteren Highlights des 105. Sophie-Scholl-Geburtstags zählen ein Rundgang in der Duisburger Innenstadt zu Erinnerungsorten, den die Erinnerungskultur AG der Schule organisiert hat, sowie ein Besuch im Stadttheater Duisburg bei „Name: Sophie Scholl“, einem eindrücklichen Ein-Personen-Stück, das die Brücke vom Damals ins Heute schlägt.

Links

Eindrücke zu diesen Erlebnissen und Vergleiche der Schulkultur in Japan und Deutschland schildert Professor Shinji Nakagawa im Podcast mit Daniel Kober und Matthias Keidel.
https://soundcloud.com/matthias-keidel-871428559/japan-und-deutschland

Weiße Rose Stiftung e.V.
https://www.weisse-rose-stiftung.de/
Die Wanderausstellung der Weiße Rose Stiftung e.V. bot eine ideale Kulisse für die Lesung.

Impressionen

Kontakt

Daniel Kober
Bereichskoordinator für Beratung, Öffentlichkeitsarbeit und Schulkultur

kober@sophie-scholl-bk.eu

Ilona Russius
Politische
Schulkulturarbeit

russius@sophie-scholl-bk.eu

Dr. Matthias Keidel
Politische
Schulkulturarbeit

keidel@sophie-scholl-bk.eu