Das ist eine Geschichte, die zeigt, dass Berufsorientierung nicht immer über die üblichen Wege funktioniert. Der Schwerpunkt sollte nicht nur auf den beiden Schülern liegen, sondern auf der Kraft von Netzwerken, Engagement und dem Zusammenspiel von Schule, Hausmeister, Schulleitung und Betrieb.

Wie zwei Schüler trotz vieler Absagen ihren Ausbildungsplatz gefunden haben

Der Fachkräftemangel im Handwerk ist in aller Munde. Gleichzeitig erleben wir in der Schule immer wieder, wie schwierig es für Jugendliche sein kann, überhaupt einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz zu finden. Die Geschichte zweier Schüler zeigt, dass erfolgreiche Berufsorientierung manchmal ganz andere Wege gehen muss.

Beide Schüler hatten bereits erste Erfahrungen im Malerhandwerk gesammelt. Durch Ferienjobs und praktische Tätigkeiten wussten sie schon früh, dass sie sich eine Zukunft in diesem Beruf vorstellen konnten. Die Motivation war vorhanden, ebenso das Interesse am Handwerk.

Doch trotz zahlreicher Bewerbungen, E-Mails und Telefonate blieb der Erfolg zunächst aus. Weder auf Praktikumsanfragen noch auf Anfragen für Ausbildungsplätze reagierten viele Betriebe. Über Wochen und Monate hinweg wurden Unternehmen kontaktiert, Gespräche geführt und Möglichkeiten gesucht.

Trotzdem schien der Weg in den gewünschten Beruf versperrt. Der entscheidende Wendepunkt kam schließlich dort, wo man ihn nicht unbedingt erwartet hätte: im Schulalltag. Im Gespräch mit dem Hausmeister wurde die schwierige Situation der beiden Schüler thematisiert.

Dieser lernte die Jugendlichen persönlich kennen und war von ihrer Motivation überzeugt. Von diesem Moment an unterstützte er die Suche aktiv und brachte seine eigenen Kontakte und Erfahrungen ein. Der Zufall wollte es, dass währenddessen Malerarbeiten an der Schule durchgeführt wurden. Der Hausmeister nutzte die Gelegenheit und sprach die ausführende Firma direkt an.

Dabei stellte sich heraus, dass der Betrieb zwar aktuell keine ausgeschriebenen Ausbildungsplätze hatte, den beiden Schülern aber gerne die Möglichkeit für ein Praktikum geben wollte.

Für einen Schüler ergab sich daraus sogar die Chance auf ein Langzeitpraktikum im Rahmen des Hauptschulabschlusses. Der zweite Schüler absolvierte mit Unterstützung der Schulleitung ein freiwilliges Praktikum. Die Schulleitung unterstützte diesen Weg ausdrücklich und erkannte die große Bedeutung praktischer Erfahrungen für die berufliche Entwicklung der Jugendlichen.

Die Entscheidung erwies sich als Volltreffer. Während ihrer Praktikumszeit überzeugten beide Schüler durch Einsatzbereitschaft, Zuverlässigkeit und Interesse am Beruf. Gleichzeitig konnten sie ihr Können unter Beweis stellen und zeigen, dass ihre Motivation echt war. Für die Firma wurde sichtbar, was in Bewerbungsunterlagen oft verborgen bleibt.

Besonders schön: Die beiden Praktikanten wurden in der Schule schnell zu Vorbildern für andere Schülerinnen und Schüler. Sie berichteten von ihren Erfahrungen, machten Werbung für das Handwerk und zeigten ihren Mitschülerinnen und Mitschülern, dass dieser Bereich interessante Zukunftsaussichten bieten.

Das Ergebnis dieser gemeinsamen Anstrengungen ließ nicht lange auf sich warten. Nach den erfolgreichen Praktika entschied sich der Betrieb, beide Schüler als Auszubildende einzustellen. Gestern war es schließlich so weit: Beide haben ihre Ausbildung zum Maler erfolgreich begonnen. Diese Geschichte zeigt, dass Berufsorientierung weit mehr ist als das Schreiben von Bewerbungen.

Herr Kober
Abteilungsleiter für Beratung, Öffentlichkeitsarbeit und Schulkultur
kober@sophie-scholl-bk.eu

Frau Kola
Projektleitung – Übergangslotsin
kola@handwerk-duisburg.de

Erster Ausbildungstag – die 2 Azubis in Action

Oft sind es persönliche Begegnungen, kreative Lösungen und Menschen, die an junge Menschen glauben, die den entscheidenden Unterschied machen. Ohne die Zusammenarbeit von Schülern, Hausmeister, Schulleitung, Betrieb und Übergangslotsen wäre dieser Erfolg möglicherweise nicht entstanden.

Manchmal beginnt eine Ausbildung nicht mit einer Bewerbung, sondern mit einem Gespräch auf dem Schulflur.

Genau solche Geschichten machen deutlich, wie wichtig individuelle Begleitung und starke Netzwerke für den Übergang von der Schule in den Beruf sind.