Literatur-Crossover-Orgel: Zum fünften Mal trafen Orgelstudierende der Musikhochschule Köln auf die Schülerinnen und Schüler des Sophie-Scholl-Berufskollegs. Das Jubiläum in der Abteikirche Hamborn wurde diesmal durch kreative Texte der Fachschule für Sozialpädagogik gestaltet. Die musikalische Antwort darauf kam von der Orgelklasse von Prof. Thierry Mechler, der sieben Studierende für dieses Projekt des Musikkollegs Hamborn begeisterte.
Allen war die Aufregung vor dieser besonderen künstlerischen Begegnung anzumerken, insbesondere auch, weil die Kirche gut gefüllt war und viele bekannte Gesichter des Berufskollegs gekommen waren, aktive und ehemalige Lehrkräfte, Mitschülerinnen und Mitschüler, Freunde und Familie.
Aber die jungen Erwachsenen, die in praxisintegrierter Ausbildung alle schon in Einrichtungen arbeiten und parallel den schulischen Weg am Berufskolleg gehen, hatten nicht nur lange mit ihrem Musiklehrer Matthias Keidel an ihren Texten geschliffen, sondern vor allem auch mit dem Mikrofon geübt, wie man emotional und energiegeladen den eigenen Text dem Publikum nahebringt.
Deshalb war die Aufregung nur die letzte Hürde, über die es zu springen galt. Und dann wurde der Abend ein Feuerwerk aus lauten und leisen Tönen: „Bevor der erste Ton fällt, zittert die Luft!“ Passender hätten die Eröffnungszeilen nicht sein können – immer wieder Musik als Thema, Musik als Medizin, als Therapie, „Mama Melodie“ und „Papa Percussion“, die Leben retten. Dann ein Raptext, atemlos über Treppen rennend, mit der Waschmaschine im Kopf, die ungefragt Kommentare zum Selbstwert abgibt. Der Bass im Brustkorb, der rhythmisch pulsiert, und der prompt anschließend auf der Orgel zu hören war.
Überhaupt, die Orgelklänge verwandelten das Erlebnis in einen persönlichen Hollywoodfilm, man suchte unwillkürlich nach der Kamera, die all das festhält, weil es sich so cineastisch anfühlte. Eine fein ausbalancierte Mischung aus Improvisation und passend gewählter Orgelliteratur brachte die Texte zum Glühen, Bartók, Vierne, Howell.
„Ich häng an dem Moment, wie der Reif am Asphalt!“ So hieß es im letzten Text und so fühlte es sich an! Poetische Liebesbeziehungen und Wehmut über die vergangene Kindheit, auch das war Thema. Eine Schülerin aus dem Publikum schrieb anschließend eine lange Feedbackmail an die Schule und berichtete von „Gänsehautmomenten“, die die Sp24 zu erzeugen wusste.
„Wenn junge Menschen den Mut haben, ihre eigenen Gedanken auf die Bühne zu bringen, entsteht Schulkultur im besten Sinne. Dieses Projekt schafft seit fünf Jahren Begegnungen, die inspirieren und lange nachwirken“,
sagt Daniel Kober, Bereichsleiter für Beratung, Öffentlichkeitsarbeit und Schulkultur.
Deshalb konnte man auch nicht gleich auseinandergehen, sondern genoss gemeinsam bei einer Begegnung der Mitwirkenden und des Publikums die Atmosphäre im Klostergarten. Und die einhellige Meinung dabei war: Nächstes Jahr geht das Projekt in die nächste Runde!

Herr Kober
Bereichskoordinator für Beratung, Öffentlichkeitsarbeit und Schulkultur
kober@sophie-scholl-bk.eu

Herr Dr. Keidel
Mitglied im Team Schulkultur
keidel@sophie-scholl-bk.eu


